Home

Ausstellung
Verwahrlost und gefährdet?
Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949—1975

Eine Wanderausstellung des Landesarchivs Baden–Württemberg

20.09.-23.11.2016

Aktueller Standort der Ausstellung: Staatsarchiv Ludwigsburg
Eröffnung: Dienstag, 20.9.2016, 19 Uhr, mit einem
Vortrag von Inga Bing–von Häfen
Anmeldung zu Führungen: 07141/64854–6310
Begleitveranstaltung: "Verloren im Niemandsland",
Lesung mit Clemens Maria Heymkind, am 4.10.2016, 19.00–21.00 Uhr


Einmal Heimkind — immer Heimkind?

Dieser Frage geht das Landesarchiv Baden–Württemberg seit Sommer 2015 in der Wanderausstellung "Heimerziehung in Baden–Württemberg 1949—1975" nach.


Die Ausstellung bietet einen Einblick, wie der Alltag in vielen Kinderheimen aussah — vielseitiges Bildmaterial und Dokumente wie Speisepläne, Aktenauszüge und Briefe geben Aufschluss darüber. Zeitzeugenberichte bereichern die Darstellung um die Perspektive der Betroffenen und geben tiefe Einblicke in die Gefühlswelten der ehemaligen Heimkinder.

Die psychische und körperliche Gewalt, die vielfach an der Tagesordnung stand, wird ebenso thematisiert wie die oft nur kurzen Momente des Glücks.
Das System der Heimerziehung und die Rolle der Jugendämter beim Prozess der Heimeinweisung werden ebenso wie die Aufsicht und Kontrolle der Träger und Einrichtungen beschrieben.

Zudem werden die rechtlichen Aspekte des Themas diskutiert. Wie verlief die Verfolgung von Straftaten, die in Heimen begangen wurden? Welche Möglichkeiten boten sich den Zöglingen zur Beschwerde oder Anzeige? Welche Probleme ergeben sich heute dabei, den Betroffenen „gerecht“ zu werden, die häufig noch in der Gegenwart unter den Folgen der Heimerziehung leiden?


Neben der Vorstellung von verschiedenen Initiativen zur Aufarbeitung der Geschichte der Heimerziehung, erfolgt zudem ein knapper Ausblick in die heutige Heimlandschaft und Jugendhilfe, um aufzuzeigen, welche Konsequenzen aus den damaligen Geschehnissen gezogen wurden.
Zeitgleich zur Ausstellungseröffnung erschien eine Begleitpublikation mit Aufsätzen, Zeitzeugenberichten und Abbildungen zum Thema Heimerziehung.



01.10.2016
Neustart der Aufarbeitung

Zwei Mediatoren haben begonnen, Gespräche mit den verschiedenen Gruppen zu führen, die sich auf Grund der Ungleichbehandlung im ersten Aufarbeitungsversuch gebildet haben. Ein wichtiges Ziel ist es, allen Gruppen und Personen die Teilnahme am Aufarbeitunsprozess zu gestatten und keiner der beteiligten Gruppen oder Personen das Recht zu geben, andere auszuschließen. Auch soll es den Heimopfern erlaubt werden, Unterstützer zu solchen Treffen mitzubringen.

Private Differenzen zwischen Beteiligten sollen die Aufarbeitung nicht weiter stören und sollen außerhalb dieser Treffen besprochen und beigelegt werden.

Wir wünschen dem neuen Vorhaben gutes Gelingen und werden uns als Unterstützer einbringen, wenn dies von einem oder mehreren der Beteiligten gewünscht ist.




Wir von der Opferhilfe Korntal stellen uns vor:

Seit Anfang Mai 2014 berichtet die Presse über den Missbrauch von Kindern in den Korntaler Heimen seit den 50er Jahren bis 2003.

Das Erscheinungsbild unserer Stadt wird seitdem geprägt durch negative Schlagzeilen und durch die einseitige Diskussion über die Täter.

Die Opfer, die sich immer zahlreicher melden, kommen bisher kaum zu Wort. Dies wirft einen Schatten auf unsere Stadt und lässt einen nachhaltigen Imageschaden befürchten. Einen Imageschaden haben insbesondere die zu fürchten, die heute gute Arbeit in den Kinderheimen machen.

Eine Gruppe von Menschen aus der Zivilgesellschaft möchte dem nicht tatenlos zusehen und wird sich darum bemühen, die Opfer zu Wort kommen zu lassen. Es ist erfreulich, dass die bisher ungesichteten Akten der Kinderheime nunmehr in ein zuständiges Archiv übergeben werden. Es wird aber einige Zeit dauern, bis diese Akten eingesehen werden können.

Was aber in keiner Akte steht, sind die persönlichen Erlebnisse der Heimkinder aus diesen früheren Jahren. Diejenigen von ihnen, die Opfer von Übergriffen geworden sind, müssen die Gelegenheit bekommen, ihre Geschichte zu erzählen und auch auf diese Weise hre schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten.

Die Täterfrage werden Gerichte klären, uns geht es darum, die Opfer bei der Bewältigung des Erlebten zu unterstützen, nicht materiell, sondern durch Zuhören und Aufschreiben.

Diese Initiative besteht seit 2014, schon viele der damaligen Opfer haben wieder Kontakt untereinander gefunden und freuen sich, dass ihre Anliegen endlich auch in aller Öffentlichkeit wahrgenommen werden, denn sie waren schon viel zu lange mit ihren Problemen im Verborgenen. Die Berichte, die uns bis heute erreicht haben, sind erschütternd. Es mehren sich die Anzeichen, dass es sich nicht nur um Einzeltäter handelte.

Eine öffentliche Aufarbeitung kann auch denen helfen, die heute in den Einrichtungen arbeiten und fürchten müssen, unter Generalverdacht zu geraten.

Der erste Versuch einer Aufarbeitung im Jahre 2015 ist daran gescheitert, dass er nur wissenschaftlich, nur bis zum Jahre 1975 und zudem hinter verschlossenen Türen stattfinden sollte. Seit Sommer 2016 versuchen nun zwei Mediatoren, eine tatsächliche Aufarbeitung und Aufklärung der Vergangenheit in Gang zu bringen. Im Gegensatz zum ersten Versuch soll nunmehr die Mehrzahl der Opfer nicht mehr ausgeschlossen sein, ebenso soll der Prozess öffentlich und transparent ablaufen. Wir werden diesen zweiten Anlauf unterstützen und kritisch begleiten. Insbesondere werden wir darauf achten, dass alle beteiligten Heimopfer gleich behandelt werden. 


Ansprechpartner:
Dr. Ludwig Pätzold, Ulrich Scheuffele und Peter Meincke
mail: opferhilfe-korntal@gmx.de

Diesen Internet-Auftritt gibt es seit dem 9. Juli 2014.